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Das Daumenkino | copyright: Wencke WassermannSie sind nur wenige Zentimeter breit und doch großes Kino. Ende der 60er und in den frühen 70er Jahren kannte sie jedes Kind: Daumenkinos.

Sie sind im englischsprachigen Raum bekannt unter den Namen „Flip-Books“, „Pennybooks“, „Kineograph“ oder auch „Fingertip Movies“. In Frankreich nennt man sie „Feuilleteurs“ oder „Folioskop“ und in Deutschland „Abblätterbücher“, „Taschenkino“ oder „Daumenkinos“.
Es ist nicht eindeutig rekonstruierbar wann und wie sie entstanden. Bereits im 18. Jahrhundert gab es Abblätterbücher mit gezeichneten Phasenbildern. Als Unterhaltungsmittel im Spielzeughandel wurden sie um 1760 verkauft. Der „Kineograph“ des Engländers Linnett, der diesen 1868 zum Patent angemeldet hat, ist das erste belegbare Daumenkino.Comic Daumenkino-Freunde | copyright: Wencke Wassermann

Das Daumenkino verdankt seine Wirkung einer Unvollkommenheit unseres optischen Sinnes. Es ist die Trägheit der Augen, die vorbeihuschende Einzelbilder zur Illusion nahtloser Bewegung verbinden. Die Daumenkinos funktionieren demnach durch den „Stroboskopischen Effekt“. Der stroboskopische Effekt besteht darin, dass unser Auge Einzelbilder, die geringfügige Inhaltsunterschiede in einer beliebigen Richtung aufweisen, wenn sie schnell genug wechseln, nicht mehr als Solche wahrnimmt, sondern zu einer kontinuierlichen Bewegung zusammensetzt. Es kommt zu einer Bewegungstäuschung, die umso natürlicher wirkt, je schneller die einzelnen Phasen wechseln (mind. 16 Bilder/Sekunde).

Als ein eigenständiges Medium besitzen die Abblätterbücher eigene Gesetzmäßigkeiten und Geschichten, die man so nur im Daumenkino erzählen kann. Einerseits, weil man es sich selbst vorführt und so zum Schöpfer der Zeit wird, andererseits aufgrund der Wiederholbarkeit. Und das ist der Reiz am Daumenkino. Man kann die kleinsten Bewegungen sehen und analysieren.

Kunstdarstellung Daumen - Daumenkino | copyright: Wencke WassermannDie bewusst empfundene Zeitlichkeit ist einer der interessanten Aspekte am Daumenkino - die Freiheit des Menschen in der Zeit. Man kann vorwärts blättern und rückwärts, schnell oder langsam oder die Zeit anhalten, wobei die Zeit ein relativer Begriff ist und keine universelle Erfahrung. Das Blättern wird „flippen“ („to flip“ / engl.) genannt.

Da man das Taschenkino in die Hand nehmen muss, spricht es einen Teil unseres Körperraumes an. Ein Film ereignet sich hingegen berührungslos auf der Leinwand. Er wird gesehen, aber nicht körperlich wahrnehmen.

Die drei Zeiten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind im Daumenkino enthalten. Es gibt zu jedem Bild (mit Ausnahme des ersten und letzten) ein Bild, das davor und danach zu sehen ist. Dagegen zeigt ein Foto nicht den Moment davor und danach.

Interessant ist, dass das Medium Abblätterbuch mit seiner Erfindung schon von Beginn an technisch ausgereift war. So bleiben dem Künstler nur inhaltliche Möglichkeiten mit dem Daumenkino zu arbeiten.

Etwas Magisches steckt in diesen winzigen Büchern, die Bewegung doch nur simulieren, den Inhalt aber oft genial dramaturgisch verknappen und pointieren. Einfache Situationen oder alltägliche Dinge werden auf den Punkt gebracht und in den Mittelpunkt gerückt. Die Nebenhandlungen sowie Effekte lenken in einem Film oft vom Wesentlichen und der eigentlichen Aussage ab.

Die scheinbar fotografische Realität des Films verwischt mit der zunehmenden Digitalisierung des Kinos. Sie ist nicht mehr durchschaubar. Je ausgefeilter die Filme werden, je perfekter die Special Effects und Computeranimationen erscheinen, desto mehr sehnen sich die Leute nach der Einfachheit zurück. Daher gibt es den Trend, der mit dem elementaren Bedürfnis nach der ursprünglichen Form der Animation geht, wie sie das Daumenkino ermöglicht.

Bei der Betrachtung der Taschenkinos empfinden die Leute eine sehr kindliche und ursprüngliche Freude. Der spielerische Umgang mit dem Medium löst Begeisterung aus und lässt sie in nostalgischer Erinnerung schwelgen.      


Weiterführende Informationen finden Sie unter:

* Jonathan Crary - Aufmerksamkeit
* Pascal Fouché - www.flipbook.info
* Volker Gerling "Der Mantel der Eigenzeit" / www.daumenkinographie.de
* Ausstellungskatalog der Düsseldorfer Kunsthalle "The Flipbook Show"
* Ausstellungskatalog zur Sammlung von Werner Nekes
    im Altonaer Museum/HH "Schaulust. Sehmaschinen, optische Theater & andere Spektakel "
* Presseinfos vom Schacks Verlag - www.schacks.de